• LEBENDIGsein

Er ist vor dreieinhalb Jahren wutentbrannt und mit gekränktem Stolz davon gegangen. Und ich bin mindestens genauso wutenbrannt in die andere Richtung marschiert. Er bräuchte sich das nicht zu geben. Ich mir auch nicht. Es hat einfach nicht gepasst. Weil er wollte, was ich nicht wollte. Und er das nicht verstanden hat oder akzeptieren wollte. Und mich wie ein kleines Kind behandelt hat. Das ist für mich der berühmte Dealbreaker.

In den letzten drei Jahren habe ich selten an dieses letzte Treffen und die wenigen davor gedacht. Und eigentlich hatte es immer so ausgehen müssen. Die Wahrscheinlichkeit, ihm noch einmal über den Weg zu laufen, war gering. Berlin ist schließlich groß. Aber jedesmal, wenn ich an seiner S-Bahn Station vorbeikam, habe ich mich schon gefragt, wie das so wäre. Ob er was sagen würde. Ob ich was sagen würde.

Irgendwann im Juli bin ich die Treppen zum PC Pool der Uni hochgelaufen. Und da kam er mir entgegen. Dachte ich zumindest für einen kurzen Moment. Ein flüchtiger Blickkontakt, er schien mich nicht zu erkennen. Und ich war nicht sicher, vielleicht doch nicht er. Doch heute schon wieder. Es ist schon komisch: Ich habe den halben Vormittag überlegt, ob ich in diese Bibliothek gehe, um mir dieses eine Buch zu holen. Am Ende bin ich gegangen. Und beim Reingehen seh ich ihn da sitzen. Er schaut von seinen Notizen auf. Diesmal scheint Erkennen in seinem Blick zu liegen.

Und? Was nun? Ignorieren wir uns weiter und tun auch beim nächsten Aufeinandertreffen so, als würden wir uns nicht kennen? Aber was wäre die Alternative? Hätten wir uns etwas zu sagen?



3 Responses to “Ein flüchtiger Augenblick”  

  1. Oh, solche Situationen habe ich schon öfter erlebt. Sie haben diesen komischen Nachgeschmack. Ich versuche es derzeit mit „einfach lächeln und weiter gehen“.

  2. ich habe einfach nur geguckt und bin weitergegangen. Nach Lächeln war mir wirklich nicht zumute.

  3. witzigerweise hat er auch mal gesagt, er wäre immer für mich da.


Leave a Reply