Das Schweigen ist mein Reden
• LEBENDIGsein •
Ich will doch nur von dir verstanden werden. Und das möglichst ohne Worte. Doch du willst reden, denn Schweigen ist dir unbehaglich. Deshalb verstehst du auch mein Schweigen nicht, hältst mir den Spiegel vor und sagst, dass sei ich. Doch in deinem Spiegel erkenne ich mich nicht.
Du willst unter meine harte Schale schauen, willst mich aus dem Schneckenhaus locken. Aber du machst es mir unbeschreiblich schwer. Denn jedes Wort will genau bedacht sein. Schweige ich dann anstatt zu reden, wenn du mich hinterfragst, hast du auch hier sogleich die Antwort parat. Und treibst mich damit noch weiter zurück in mein Schneckenhaus. Warum musst du alles hinterfragen? Fällt dir nicht auf, dass mir die richtigen Worte fehlen und ich schweige, aus Angst die Falschen zu finden? Dass ich mich unbehaglich fühle im ständigen Reden, durchleuchtet und doch unverstanden.
Du sagst selbst, du kennst mich nicht. Und doch hast du dir die Antworten auf deine eigenen Fragen schon zurecht gelegt. Du stellst die Fragen, aber willst du wirklich meine Antwort hören? Du drängst mich in die Ecke, doch statt Kommunikation erhältst du dann Schweigen. Ich baue eine Mauer um mich herum auf. Und eigentlich will ich, das du diese Mauer erklimmst. Und einmal keine dieser harten, bohrenden Fragen stellst. Mir nicht deinen Spiegel ins Gesicht hältst. Sondern mir einfach nur nahe bist. Anders als sonst – simpel, unkompliziert. Und mir das Gefühl und die Angst nimmst, dass du mich im Grunde gar nicht verstehst.
Filed under: freizügig | 2 Comments
Tags: Begegnungen, Fragen, Kommunikation





Liebe Anne-Christin,
hier habe ich aber aufgehorcht!
Ich habe genau das, was du schreibst und nicht möchtest, bei meinem Partner am eigenen Leib erfahren. Es hätten exakt seine Worte sein können. Ich habe so sehr darunter gelitten, dass er nicht (mehr) reden wollte, eine Mauer aufbaute.
Seine ungesagten Worte haben in der Konsequenz bei mir zu eigenen Monologen und Bildern geführt, die nicht unbedingt stimmten und alles nur noch mehr verkomplizierten. Rede mit mir!, dachte ich so oft verzweifelt.
Vielleicht passt es manchmal einfach nicht zusammen. Vielleicht braucht es manchmal doch Worte, viele Worte, um zueinander zu finden. Wie soll man ohne Worte etwas über den anderen erfahren?, ihn jahrelang nur beobachten? Einfach nur „sein“, anfassen ohne zu reden, lieben ohne zu sprechen? Reicht das? Mir nicht.
Ich brauchte die Kommunikation, er fühlte sich in meiner Kommunikation meist unverstanden und kommunizierte irgendwann nicht mehr. Bei uns war es somit leider aussichtslos, wir trennten uns. Nun kann er schweigen und ich mit mir selbst reden.
Dir wünsche ich, dass ihr für diesen Konflikt eine Lösung findet.
Von Herzen alles Gute!
Liobar
Liebe Liobar,
der Konflikt hat sich in dem Sinne geklärt, dass wir uns quasi auch „getrennt“ haben.
Ich bin eigentlich jemand, der viel und gerne kommuniziert. Allerdings fange ich an, mich zurückzuziehen, wenn ich das Gefühl habe, dass alles was ich von mir preisgebe beim anderen ein falsches Bild von mir ergibt. Egal, ob ich kommuniziert habe oder nicht – verstanden haben wir uns nicht. Ich fühlte mich gerade am Ende einfach nur noch angegriffen. Dann blockiere ich. Er aber hat anscheinend ne andere Reaktion erwartet, wohl dass ich dann erst recht gesprächig werde.
Naja, gelernt habe ich daraus, dass es bei bestimmten Leuten nichts bringt zu versuchen, sich einen zweiten Eindruck zu verschaffen. Denn manche Menschen ändern sich nicht (vor allem wohl Künstler
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